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Diagnose

Inhaltsübersicht

MS - Was ist das?
Dabei fing alles so harmlos an.
Krankheitsverlauf
Diagnoseverfahren bei MS
Was ist eigentlich MRT - ausgeschrieben Magnetresonanztomographie?
Was bringt die Zukunft?
Familie und MS
Welchen Einfluß haben Klima und Umwelt auf die MS?
Ernährung
Krankengymnastik
Blasenstörung
Hilfsmittel und Hilfen
Cortison als Medikament bei MS
Multiple Sklerose: Die EDSS Skala

MS — Was ist das?

"Gehört habe ich schon davon" werden einige sagen "Ist das nicht etwas mit den Muskeln oder Knochen?" Oft ist auch die Rede von "Rückenmarksschwund". Doch die wenigsten wissen was hinter dieser Krankheit steckt.

Multiple Sklerose ist unter den entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems die, die am häufigsten vorkommt. Die geschätzte Zahl der Betroffenen beläuft sich auf ca. 120.000 in Deutschland. Weltweit spricht man von 1–2 Erkrankten auf 1.000 Einwohner. MS ist eine langsam fortschreitende, meist in Schüben verlaufende, chronische Erkrankung des Zentralnervensystems. Die Symptome sind vielfältig und der Verlauf völlig unberechenbar. Die Ursache der Multiplen Sklerose ist nach wie vor noch nicht geklärt. Sie beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und kann sich über Jahre und Jahrzehnte weiterentwickeln. Wichtig ist eine engmaschige, ärztliche Betreuung sowie der rege Kontakt zu Mitbetroffenen. Der Erfahrungsaustausch über diese Krankheit gibt wertvolle Tips für den Alltag und zeigt den Betroffenen, daß er nicht alleine gelassen ist in seinem Schicksal.

Dabei fing alles so harmlos an.

Kopfschmerzen, Sehstörungen Diagnose – Sehnerventzündung!

Dies ist eine der gängigsten Anfänge von Multipler Sklerose. Kaum ein Hausarzt oder Augenarzt wird zunächst etwas anderes vermuten. Mit der Verabreichung von Cortison, wegen der Sehnervündung, wird es ja wieder gut.Kommen dann noch Gleichgewichtsstörung, Taubheitsgefühle in den Armen und/oder Beinen hinzu, werden die meisten Ärzte hellhörig. Auch eine zeitweilige Blasenschwäche gehört zu den Anfangssymptomen. Bei vielen MS Erkrankten ist die Zeitspanne von den ersten Symptomen bis zur sicheren Diagnose sehr lang. Dies liegt nicht an den Ärzten sondern an der Heimtücke der Multiplen Sklerose.

Krankheitsverlauf

Einen einheitlichen Verlauf bei der Multiplen Sklerose gibt es nicht. "Überspitzt" gesagt hat jeder Betroffene seinen eigen Krankheitsverlauf. Eine Erklärung hierfür gibt es noch nicht. Die häufigste Verlaufsform der MS, (bei ca. 60 % der Betroffenen) ist anfangs (primär) schubförmig, dann (sekundär) chronisch progredient. Kennzeichen sind: plötzlicher Beginn, anfangs schubförmiger Verlauf mit vollständiger oder teilweiser Rückbildung, später zunehmende Verschlechterung und Behinderung, bei der zumindest anfangs auch noch zeitweise Besserung möglich ist. Als nächste Art der MS kennen wir den schubförmig rezidivierend-remitierenden Verlauf (ca. 20 %) Ein plötzlicher Beginn, klar voneinander abgesetzte Schübe mit vollständiger oder teilweiser Rückbildung. Über Monate und Jahre beschwerdefrei. Die nächste Verlaufsform ist von Anfang an (primär) chronisch-progredient mit aufgesetzten Schüben. Ein langsamer Beginn, ineinander übergehende Beschwerden ohne wesentliche Rückbildung, zusätzliche Schübe, zunehmende Verschlechterung und Behinderung kennzeichnen diesen Verlauf (ca. 10% der MS Erkrankten). Der von Anfang an (primär) chronisch-progrediente Verlauf (ca.  10 der Betroffenen) beginnt langsam hat ineinander übergehende Beschwerden mit allenfalls vorübergehendem Stillstand und ohne wesentliche Rückbildung bei zunehmender Verschlechterung und Behinderung.

Diagnoseverfahren bei MS

Nachdem die Verdachtsdiagnose von einem Arzt geäußert worden ist, will der Betroffene natürlich Gewißheit haben. Als erstes sollte man sich einen Neurologen suchen der was von Multipler Sklerose versteht. Bei der Suche nach solch einem Facharzt können andere Betroffene sehr hilfreich sein (Vereine, Selbsthilfegruppen etc.). Zur Sicherung der Diagnose MS gehört eine gründliche auf MS abgestimmte neurologische Untersuchung, ein MRT und eine Untersuchung des Nervenwassers. Erst wenn bei diesen Untersuchungen der Befund auf eine Multiple Sklerose hinweist, sprechen wir von einer gesicherten Diagnose. Im Rahmen der Diagnostik der Multiplen Sklerose werden spezielle Aufnahmen des, ZNS durchgeführt (MRT-/NMR-Technik). Sie bilden entzündete Stellen im Gehirn und Rückenmark als helle Flecken ab. Diese Herde oder Läsionen sind ein Maß für die Aktivität der Krankheit und dienen als wichtiges Hilfsmittel zur Verlaufskontrolle der MS.

Was ist eigentlich MRT - ausgeschrieben Magnetresonanztomographie?

Zur Darstellung (Bildgebung) verwendet das klinische MRT/MRI die Kerne der Wasserstoffatome (Protonen)im menschlichen Körper. Somit macht sich das MRT den Wassergehalt der Organe für die Bildgebung zu Nutze. Das Proton ist nicht bewegungslos, sondern es dreht sich um die eigene Achse ("Spin/Drall"). Durch diese Rotation (komplizierter, physikalischer Vorgang der hier zum Verständnis nicht wichtig ist) verhält es sich wie ein kleiner Magnet. Durch ein starkes Magnetfeld werden die vielen winzigen Magnete (Protonen) in eine bestimmte Richtung gezwungen und stabilisiert. Mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen (Radiowelle) werden die Protonen aus ihrer stabilen Richtung gebracht. Wenn man nun diese wieder abschaltet orientieren sich die Wasserstoffkerne wieder an dem starken Magnetimpuls (um ein Vielfaches stärker als das Magnetfeld der Erde). Dabei senden die Protonen ein Signal aus, daß von empfindlichen Verstärkern in den Rechner (Computer) übertragen wird. Mit hochkomplizierten Programmen werden diese Signale im Computer zu einem Bild zusammengesetzt und für uns sichtbar gemacht. Erst anfang 1980 fand dieses Verfahren seine praktische Anwendung in der Medizin und ist zur Diagnostik bei vielen Erkrankungen, unter anderem bei der Multiplen Sklerose, unverzichtbar. Im Gegensatz zum Röntgen wird beim MRT der Organismus nicht mit einer schädlichen Strahlendosis belastet.

Die Diagnose Multiple Sklerose löst in dem Betroffenen eine Reihe von Gefühlen unterschiedlichster Art hervor. Wut, Angst Verzweiflung bis hin zu schweren Depressionen usw.Bis zur gesicherten Diagnose ist es oft ein langer Weg.Ein Weg voller Fragen – ohne sichere oder richtige Antworten. Viele Probleme – keine vernünftige Lösung. Dann der Schock Diagnose MS.

Wieder Fragen: Werde ich persönlich damit fertig? Was sagt mein Partner? Wie nimmt es mein Umfeld?

Was bringt die Zukunft?

Für alle bedeutet es einen völlig neuen Anfang, einen neuen, nicht geplanten Lebensabschnitt. Viele, die diese Diagnose erhalten, stehen bis dahin fest im Leben, haben meistens einen Beruf und Familie. Die Lebensplanung steht mittelfristig fest und mit einem Schlag verändert sich alles. Auch wenn der Betroffene weiß, daß er nicht alleine ist (ca. 120.000 MS-Kranke in Deutschland) so wiegt das eigene Schicksal zunächst sehr schwer.Die Diagnose MS trifft viele in der aktivsten Lebensphase. 2/3 der Betroffenen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, wenn die ersten Symptome auftreten. Die erste Frage die viele stellen betrifft deshalb auch die nähere Umgebung des Betroffenen.

Auf was für Nachteile/Behinderungen muß ich mich einstellen? Wie vieles im Leben sind auch die Folgen der MS sehr unterschiedlich und individuell. Der Betroffene neigt dazu, sich das schlimmste vorzustellen. Mann/Frau sieht sich im Rollstuhl, dauernd auf die Hilfe anderer angewiesen. Die Selbständigkeit ist scheinbar bedroht. Dieses Horrorszenario wird mitunter noch verstärkt, wenn man einzelne schlimme Fälle von MS sieht oder gar von Bekannten davon erzählt bekommt. In der Öffentlichkeit wird die Multiple Sklerose aus Unwissenheit oft zu negativ dargestellt. Jedoch mehr als die Hälfte aller MS – Erkrankten haben "nur" geringfügige oder sogar keine dauerhafte Symptomatik. So haben wir, in unserem Verein, 12 MS "Patienten" davon sind vier auf den Rollstuhl angewiesen. Das hindert aber keinen, aktiv am Leben teilzunehmen. Multiple Sklerose ist weder ansteckend noch stirbt man an ihr. Natürlich ist man gegenüber anderen Krankheiten (Harnwegentzündungen, Atemwegentzündungen) empfindlicher, weil das Immunsystem des MS-Patienten einen defekt hat. MS ist eine Autoimmunerkrankung. Häufiges Problem der MS ist, dass der Betroffene schneller ermüdet. Es kommt deshalb darauf an, sich seine Kraft richtig und sinnvoll einzuteilen. Auch ist es wichtig dies der Familie zu vermitteln.

Planen Sie anstrengende Arbeiten auf Vormittag

Uns allen ist klar das am Anfang vieles schwierig erscheint, doch wenn der Betroffene o. g. Punkte berücksichtigt, wird es mit der Zeit leichter und einfacher.

Familie und MS

Es ist schwierig hier eine universelle Antwort zu geben. Die Familie ist ein soziales Gefüge, welches sich aus vielen Komponenten zusammen setzt. Da sind zunächst die Kinder. Wie und wieviel ich meinem Kind über die Krankheit und deren Folgen vermitteln kann, hängt vom Alter und der Aufnahmefähigkeit des Kindes ab. Sie sollten dem Kind begreiflich machen, daß die Rollenverteilung innerhalb der Familie sich verändert kann, es vielleicht mehr als bisher im Haushalt z.B. mithelfen muß. Ganz deutlich muß dem Kind aufgezeigt werden, daß sich Ihre Zuneigung  durch die Multiple Sklerose nicht verändert. Durch positives Beispiel mit dem Partner, dem Kind zeigen, daß die anfallenden Probleme GEMEINSAM  gelöst werden können. Oftmals wird durch die Diagnose MS der Partner unbewußt in die "zweite Reihe" gedrängt. Daraus können Konfliktsituationen entstehen. Zu vermeiden ist sowas nicht immer. Auch in einer "unbelasteten" Partnerschaft gibt es Probleme. Sie müssen sich mit Ihrem Partner zusammensetzten und nach Lösungen suchen. Wichtig hierbei ist, daß Ihr Partner versteht was die MS bewirken kann. Nehmen Sie Ihn zu den Arztterminen mit, auch zum Krankengymnasten sollte Sie gelegentlich gemeinsam gehen. Zu den Treffen des Vereins/Selbsthilfegruppe. Aufklärung über den wechselvollen Verlauf der MS ist auf jeder Ebene wichtig. Schildern Sie ungeschminkt Ihre ganz persönliche Problematik mit der Krankheit. Geben Sie Ihrem Partner Zeit sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. 

Welchen Einfluß haben Klima und Umwelt auf die MS?

Viele MS – Betroffene haben bei warmen oder schwülwarmen Witterungsbedingungen Probleme. Auch plötzliche Wetterwechsel bereiten häufig Beschwerden unterschiedlichster Art.Gleiches kann geschehen, wenn unvorhersehbare Streßsituationen auftreten.Was kann der Einzelne tun? Am Wetter läßt sich nichts ändern. Bei großer Hitze hält man sich am besten in kühlen Räumen auf. Große  Anstrengungen sind zu vermeiden und für ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu sorgen.Auch sollte man längere, ungeschützte Aufenthalte in der Sonne vermeiden. Baden oder Duschen Sie lauwarm oder kühl. Unvorhersehbaren Streßsituationen kann man schlecht ausweichen. Der Betroffene muß lernen den Streß zu "kanalisieren". "Was ist wichtig für mich und was geht mich nur wenig oder nichts an?". Auf diese Art kann man einiges an Streß abbauen. Nichts in sich "hineinfressen" sondern gleich über die Probleme reden. Versuchen allem positiv zu begegnen. Bis hier ist alles sehr allgemein gehalten, jedoch wollen wir auch ganz spezielle Probleme beschreiben und versuchen Antworten zu geben. Ernährung, Krankengymnastik Blasenfunktionsstörung Gleichgewichtsstörung Hilfsmittel.

Ernährung

Chronisch Erkrankungen wie bei der Multiplen Sklerose bedürfen oft einer lebenslangen Therapie. Für Betroffene ist es deshalb wichtig, alle Möglichkeiten der Verbesserung ihres Krankheitsbildes und deren Folgen zu nutzen. Die MS ist eine Autoimmunerkrankung und es liegt daher auf der Hand das Immunsysthem zu stärken. Eine gesunde Vitaminreichen und an tierischen Fetten armen Kost ist sehr hilfreich und zu empfehlen. Zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe in Tablettenform oder ähnliches können, je nach Verträglichkeit, helfen und genommen werden. Auf jeden Fall sollte bei einer Nahrungsumstellung der behandelnde Arzt zu Rate gezogen werden. Sie sollten jedoch vermeiden, sich mit aller Gewalt etwas aufzuzwingen. Das persönliche Wohlbefinden muß im Vordergrund stehen. Was nutzt die beste Diät, wenn sie krank macht?

Zum Thema Ernährung,  muß noch kurz die Frage Alkohol und MS aufgegriffen werden.Wenn wegen der Medikation kein ausdrückliches Alkoholverbot besteht, so ist gegen "ein Gläschen in Ehren" nichts einzuwenden. Bei Gangunsicherheit oder Schwindel sollte allerdings auf das zweite Glas verzichtet werden.Auch hier muß gesagt werden: Erlaubt ist was der Einzelneverträgt und auch verantworten kann. Ein MS Patient ist und bleibt ein mündiger Bürger und für sich selbst verantwortlich.

Krankengymnastik

Ein wichtiger Punkt in der Behandlung von MS stellt die Krankengymnastik dar. Während eines gleichbleibenden Verlaufs, kann die Krankengymnastik stabilisierend wirken. Der Physiotherapeut hilft Ihnen das bestmögliche aus Ihren Möglichkeiten zu machen. Ferner erkennt er, einen regelmäßigen Besuch vorausgesetzt, ob sich der körperliche Zustand verbessert oder verschlechtert. Nach einem Schub hilft die Krankengymnastik zurückgebliebene  neurophysiologische Schäden zu mindern. Auch kann er bei der Auswahl von Hilfsmittel beraten und deren Gebrauch richtig erklären. Bei der Auswahl Ihres Krankengymnasten sollten Sie ruhig Ihren Neurologen fragen. Sprechen Sie mit Mitbetroffenen oder Informieren Sie sich beim Berufsverband der Krankengymnasten.

Blasenstörung

In einigen Fällen kann es zu einer Blasenfunktionsstörung kommen. Das können sein, häufiger Harndrang, Schließmuskelschwäche oder Blasenentzüdung. Die erste Anlaufstelle ist auch hier der Facharzt.Dieser kann in denmeisten Fällen schon sehr gut helfen. Wie so oft ist auch in diesem Fall die Selbsthilfe gefragt. Aktives Blasentraining bei häufigem Harndrang ist eine gute Möglichkeit selbst was zu tun. Dazu muß man sich einige Tage lang  aufschreiben wann und wieviel getrunken wurde, und wann nach dem Trinken der Harndrang einsetzt. Das Ergebnis dieser Bemühungen zeig Ihnen dann, welche Zeit vom Trinken bis zum Urinieren vergeht. Nun sollen Sie versuchen die Zeitspanne zwischen den Toilettengängen zu vergrößern. So können Sie herausfinden wo die Maximalzeit zwischen zwei Blasenentleerungen liegt, ohne das sich kleinere "Katastrophen" ereignen. Den Krankengymnasten auf Becken bzw. Schließmuskeltraining ansprechen. Einige könnten jetzt auf den Gedanken kommen weniger zu Trinken. Das ist nicht nur Falsch sondern auch gesundheitlich sehr bedenklich. Der Körper braucht am Tag ausreichend Flüssigkeit um seine Funktionen aufrecht zu erhalten. Diese liegt zwischen 1,5 – 2,0 l/Tag. Sinnvollerweise sollten Sie das Trinken für die Zeit einplanen, in der Sie zu Hause sind. Durch ausreichende Trinkmengen beugt man auch einem Harnwegsinfekt vor. Mehr zu diesem Thema unter www.inkotreff.de

Was tun, wenn es im wahrstem Sinn des Wortes in die Hose geht ?

Dann muß der Betroffene sich auf die zahlreichen Hilfsmittel die es auf dem Markt gibt verlassen. Beratung und Hilfe in diesen Dingen bieten Vereine und Selbsthilfegruppen die sich mit MS befassen, Sanitätshäuser, Pflegedienste, Ärzte, Krankenhäuser, usw. Auch ein Gespräch unter "vier Augen" mit einem "Leidensgefährten" kann sehr hilfreich sein. Sie müssen jeden Tag aufs Neue alle zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisieren und der Krankheit Paroli bieten. Sie werden den Erfolg selbst spüren 

Hilfsmittel und Hilfen

Wie der Name schon verrät gibt es eine Vielzahl von Gegenständen die helfen können. Sie nicht in Anspruch zu nehmen, wenn man durch die Umstände darauf angewiesen ist, wäre falscher Ehrgeiz. Dinge wie Gehstöcke, Rollator, Spezialschuhe, Aufstehhilfen, Rollstuhl usw. sollen körperliche Defizite ausgleichen helfen und die Selbständigkeit weiterhin gewährleisten. Welche Hilfsmittel der Einzelne letztendlich braucht, sollte in Zusammenarbeit mit dem behandelten Neurologen und Physiotherapeuten besprochen und unter Berücksichtigung der häuslichen Gegebenheiten, dann in Anspruch genommen werden. Die Aufgaben des täglichen Lebens können so wesentlich erleichtert werden. Mit finanzielle Hilfen wird  es schon schwieriger. Beispiel: Ein Berufstätiger bekommt bei der Neuanschaffung eines PKW Unterstützung durch den jeweiligen Rentenversicherungsträger. Diese Hilfe ist wiederum an die Schwere der festgestellten Behinderung geknüpft. Bauliche Maßnahmen werden von der Pflegekasse unterstützt. Auch hier gelten bestimmte Voraussetzungen  für die Erteilung dieser Hilfe. Oftmals kann man durch geschicktes Verhandeln mehr von den zuständigen Stellen erhalten, als durch FORDERN. Auf den vorangegangenen Seiten haben wir versucht aus eigener Erfahrung und aus der Erfahrung Vieler Hilfestellung für den Alltag zu geben. Zum Schluß noch ein paar Gedanken zum Leben mit MS. Stellen Sie nicht die Behinderung in den Vordergrund, sondern Ihr Können. Wählen Sie sich Ihre Ziele nach eben diesem Können und versuchen Sie nicht die Meßlatte zu hoch anzulegen. Leben Sie in der Gegenwart, also heute und nicht für die ferne Zukunft, den die ist meistens nicht planbar. 

Aktiv bleiben innerhalb Ihrer durch die MS auferlegten Grenzen.

Nicht aus der gewohnten Umgebung zurückziehen. Sehen Sie Ihre Erfolge und nicht die Leistungen der anderen. Teilen Sie sich mit und "fressen" Sie nichts in sich hinein. Vertrauen Sie auf die Hilfe die Ihnen zu teil wird und bitten Sie auch um Hilfe die Sie brauchen.
Nehmen Sie sich wie Sie sind, damit es andere ebenfalls können.

Cortison als Medikament bei MS

Geschichte

Das Organ, welches Cortison in unserem Körper herstellt, sind die Nebennieren. Dieses Organ wurde erst 1564 entdeckt. Die Funktion der Nebennieren blieb noch weitere 300 Jahre im verborgenen. 1894 wurde Adrenalin als erstes Nebennierenrindenhormon extrahiert und charakterisiert. 1932 Beschreibung des Hypercortieoidismus durch Cusing (kannte das Hormon aber noch nicht.) 1936/37 Entdeckung einer ganzen Gruppe  von Substanzen mit gleicher chem. Grundstruktur (Glucocorticoide) und speziell  des CORTISONS.

Die erste Behandlung mit Cortison erfolgte 1948 an der Mayo-Klinik in den USA. Die Idee zur Behandlung hatte man schon 1940, aber zur Synthese von 1 g Cortison mußten 500 Kg NN-Gewebe = 20.000 Rinder verarbeitet werden. Erst 1947 gelang die Teilsynthese aus Rindergalle (Fa. Merck). 1948 wurde die erste Patientin, die an schwerem Gelenkrheumatismus litt, mit Cortison behandelt. Der erfolg war verblüffend. Die Patientin konnte sich nach sechs Tagen wieder ohne Rollstuhl bewegen. Aber schon 1949 wurden die schweren Nebenwirkungen des Cortisons beschrieben. Grund hierfür waren oft falsche Indikationsstellung bzw. falsche Anwendung.

Alle die mit Multipler Sklerose etwas zu tun haben, sei es als Betroffener oder als Angehöriger, kennen Cortison. Oder? Cortison wird bei MS überwiegend im akutem Schub angewandt. Wie  wir alle wissen macht jedes Medikament Nebenwirkung so auch Cortison. Bei einer Langzeittherapie können folgende Beschwerden auftreten: Magenbeschwerden bis hin zu Magengeschwüren. Die sogenannte "Cortison – oder Pergamenthaut". Blutdruckerhöhung sowie Verminderung der Calciumresorption aus dem Darm und Hemmung der Knochenzellen - Osteoporose (Glasknochen); Wundheilungsstörung und erhöhte Thromboseneigung. Aber bei richtiger Dosierung treten viele dieser Nebenwirkungen nur in 29 % der Fälle auf, ernste Komplikationen sogar nur in 0,5 % aller Fälle. Bei Multipler Sklerose wird Cortison nur im akuten Schub und nur  über eine kurze Zeit in sehr hoher Dosis verabreicht. Hierbei bleiben vorgenannte Nebenwirkungen fast gänzlich aus. Bevor so eine Cortisonstoßtherapie begonnen wird sollten andere Erkrankungen wie Apoplex, Enzephalitis, Tumore u.ä. ausgeschlossen werden.

Was  will man mit einer solchen Therapie erreichen?

Eine Verkürzung des Schubes sowie eine schnellere und besseren Wiederherstellung des geistigen und körperlichen Wohlbefindens.

weitere Infos unter Therapie

Multiple Sklerose: Die EDSS Skala

Mit der Leistungsskalla "EDSS" werden neurologische Behinderungsgrade angegeben. [Nach Kurtzke, J.F.: Rating neurologic impairment in multiple sclerosis: an expanded disability Status scale (EDSS)]. Neurology (1983), 33, 1444-1452 (Die Angaben der Grade beziehen sich auf die Untersuchung der funktionellen Systeme (FS).

Multiple Sklerose - Die EDSS Skala
Die "EDSS" ist eine Leistungsskala nach J.F. Kurzke (expanded disability status scale) und gibt Auskunft über den Grad der Behinderung eines MS-Patienten. Sie reicht von 0,0 (keine neurologischen Defizite) bis 10 (Tod  infolge MS). Die Angaben der Grade (von 0 bis10) in der EDSS beziehen sich auf die Untersuchung der Funktionellen Systeme (FS), durch den behandelnden Arzt.

  1. Die funktionellen Systeme (FS) sind:
  2. Pyramidenbahn (z.B. Lähmungen)
  3. Kleinhirn (z.B. Ataxie, Tremor)
  4. Hirnstamm (z.B. Sprach/Schluckstörungen)
  5. Sensorium (z.B. Verminderung des Berührungssinns)
  6. Blasen-und Mastdarmfunktionen (z.B. Urininkontinenz)
  7. Sehfunktionen (z.B. eingeschränktes Gesichtsfeld-Skotom)
  8. Zerebrale Funktionen (z.B. Wesensveränderung, Demenz)

Die Skala

0.0 Normale neurologische Untersuchung (Grad 0 in allen funktionellen Systemen).

1.0 Keine Behinderung, minimale Abnormität in einem funktionellen System (d.h.Grad l).

1.5 Keine Behinderung, minimale Abnormität in mehr als einem FS* (mehr als einmal Grad l).

2.0 Minimale Behinderung in einem FS (ein FS Grad 2, andere 0 oder l).

2.5 Minimale Behinderung in zwei FS (zwei FS Grad 2, andere 0 oder l).

3.0 Behinderung in drei oder vier FS (3 oder 4 FS Grad 2, andere 0 oder l), aber voll gehfähig. 

3.5 Voll gehfähig, aber mit mässiger Behinderung in einem FS (Grad 3) und ein oder zwei FS Grad 2; oder zwei FS Grad 3; oder fünf FS Grad 2 (andere 0 oder l).

4.0 Gehfähig ohne Hilfe und Rast für mindestens 500 m. Aktiv während ca. 12 Stunden/Tag trotz relativ schwerer Behinderung (ein FS Grad 4, übrige 0 oder l).

4.5 Gehfähig ohne Hilfe und Rast für mindestens 300 m. Ganztägig arbeitsfähig. Gewisse Einschränkung der Aktivität, benötigt minimale Hilfe, relativ schwere Behinderung (ein FS Grad 4, übrige 0 oder l).

5.0 Gehfähig ohne Hilfe und Rast für etwa 200 m. Behinderung schwer genug, um tägliche Aktivität zu beeinträchtigen (z. B. ganztägig zu arbeiten ohne besondere Vorkehrungen). (Ein FS Grad 5, übrige 0 oder l; oder Kombination niedrigerer Grade, die aber über die Stufe 4.0 geltenden Angaben hinausgehen).

5.5 Gehfähig ohne Hilfe und Rast für etwa 100 m. Behinderung schwer genug, um normale tägliche Aktivität zu verunmöglichen (FS Äquivalente wie Stufe 5.0).

6.0 Bedarf intermittierend, oder auf einer Seite konstant, der Unterstützung (Krücke, Stock, Schiene) um etwa 100 m ohne Rast zu gehen. (FS-Äquivalente: Kombinationen von mehr als zwei FS Grad 3 plus).

6.5 Benötigt konstant beidseits Hilfsmittel (Krücke, Stock, Schiene), um etwa 20 m ohne Rast zu gehen (FS-Äquivalente wie 6.0).

7.0  Unfähig, selbst mit Hilfe, mehr als 5 m zu gehen. Weitgehend an den Rollstuhl gebunden. Bewegt den Rollstuhl selbst und transferiert ohne Hilfe (FS-Äquivalente Kombinationen von mehr als zwei FS Grad 4 plus, selten Pyramidenbahn Grad 5 allein).

7.5  Unfähig, mehr als ein paar Schritte zu tun. An den Rollstuhl gebunden. Benötigt Hilfe für Transfer. Bewegt Rollstuhl selbst, aber vermag nicht den ganzen Tag im Rollstuhl zu verbringen. Benötigt eventuell motorisierten Rollstuhl (FS-Äquivalente wie 7.0).

8.0  Weitgehend an Bett oder Rollstuhl gebunden; pflegt sich weitgehend selbständig. Meist guter Gebrauch der Arme (FS-Äquivalente Kombinationen meist von Grad 4 plus in mehreren Systemen).

8.5  Weitgehend ans Bett gebunden, auch während des Tages. Einiger nützlicher Gebrauch der Arme, einige Selbstpflege möglich (FS-Äquivalente wie 8.0).

9.0  Hilfloser Patient im Bett. Kann essen und kommunizieren (FS-Äquivalente sind Kombinationen, meist Grad 4 plus).

9.5Gänzlich hilfloser Patient. Unfähig zu essen, zu schlucken oder zu kommunizieren (FS-Äquivalente sind Kombinationen von fast lauter Grad 4 plus).

10.0 Tod infolge MS.